... Als die geschmückte Jungfrau sich in der unteren Schankstube ihren Eltern vorstellte, umgeben von ihren Freundinnen, welche sie rechts und links drehten, um sie dem Vater und der Mutter von allen Seiten zu zeigen, erblickte jener böhmische Bettler die Ducaten im Haargeflecht, die seine Habgier weit mehr reizten als die dreifache Thalerreihe, welche die Pathin nach wendischer Sitte um den Hals trug.
Nachmittags gegen 4 Uhr bei lichtem Tage begab sich des Erbrichters Tochter, von einer Dienstmagd begleitet, von Konwitz nach Kotten, eine Wegstrecke von einer halben Stunde. Als sie auf der Kottner Flur bei Nowak's Bank anlangte, bemerkte sie, daß sie das Pathengeschenk zu Hause liegen gelassen hatte, weshalb sie die Magd nach Konwitz zurückschickte, um es zu holen. „Du wirst mich noch unterwegs antreffen“, sagte sie zu ihrer Dienerin, „sicher aber in Kotten im Kindtaufhause.“
Als sie weitergehend an Sarink's Felde kam, hörte sie am Wege in den Sträuchern ein ängstliches Stöhnen und Hilferufen in deutscher Sprache. Sie trat näher und erblickte im Graben liegend den bekannten böhmischen Bettler, welcher scheinbar von einer plötzlichen Krankheit befallen war. Als sie sich bückte ihm die Hände zu reichen und aus dem Graben herauszuhelfen, zog der Bösewicht das Mädchen zu sich herab und würgte es so lange, bis sie tot war.
Er riss ihr schnell die Thalerkette vom Hals, und weil er die Ducaten dem Haargeflecht nicht so schnell loslösen konnte, zog er sein altes großes Soldatenmesser heraus und schnitt dem unglücklichen Kinde den Kopf ab, welchen er in seinen Bettelsack steckte. Er begab sich tiefer in den Wald, wo er die Ducaten aus den Haaren herausschälte, warf den Kopf des Mädchens abseits und entfloh nach Böhmen.
Indessen war nach einer Stunde die Dienstmagd in Kotten in der Scholtissei angelangt, wo selbst sich alle wunderten ...