Der Wassermann und der Bär in der Koslickmühle

Wer kennt nicht in seiner Heimat auch irgendeinen Fluss oder Teich, wo einst, wie die Sage erzählt, der Wassermann mit rotem Käppchen und Tuchrock weilte. Wer hätte sich nicht als Kind in Aacht genommen vor der oder jener tiefen Stelle im Bach, wo der Wassermann immer aufpasst, ob er jemanden am Fuße ergreifen und ins Wasser ziehen könnte.
Einst waren die Wassermänner nicht so böse, wie die Kinder heute meinen. Sie traten auch aus dem Bache hervor und ließen sich mit den Leuten auf ein Gespräch ein. Ein solcher Wassermann hatte auch in der Koslickmühle bei Wittichenau seinen Unterschlupf. Er wärmte sich dort am Feuerherd, kochte sich in einem Kessel seine Speise, half aber auch im Winter dem Besitzer fleißig beim „Eisen“ (zerkleinern von Eisschollen, die sich vor dem Mühlrade festsetzen).
Eines Tages kam nun ein Bärenführer mit seinem starken Tier in die Kosklickmühle und übernachtete dort, da der Müller sein alter Bekannter war. Gegen Morgen kam auch der Wassermann in die Mühle, zündete ein Feuer an, um ein Frühstück zu bereiten. Einen bärtigen Karpfen und einige Hechte hatte er sich mitgebracht. Den Bären erweckte das Licht. Das neugierige Tier kam nun, obwohl es sich anfangs nicht getraute, nach einer Weile an das Feuer herangekrochen, wo der Wassermann in einem Kessel mit einem Hirselöffel sein Frühstück mischte und rührte. Dann zog der Wassermann den gargekochten Karpfen heraus und begann ihn zu verspeisen.
Als der Bär dies sah, regte auch er seine Pfoten in den Kessel und zog sich einen Hecht heraus. Nun erst wurde der Wassermann auf Meister Petz aufmerksam, er hob seinen Rührlöffel und sprach: „Weg mit den Tatzen, sonst gibt’s was Kräftiges drauf.“
Das vertrieb aber den Bären nicht; er zog sich vielmehr noch einen Fisch heraus. Wiederum drohte ihm der Wassermann mit dem Rührlöffel, aber umsonst. Kaum hatte der Bär den Hecht verschluckt, so erhob er wieder seine Pfoten. Darauf versetzte ihm der Wassermann mit seiner kleinen Schaufel einen herben Schlag.
Armer, o Armer! Kaum hatte er den Bären geschlagen, so umfasste ihn das erzürnte Tier fest und würgte ihn, so dass er vor Schmerz aufschrie und so laut um Hilfe rief, bis der Müller und sein Gast es hörten und den Bären vertrieben. Der Wassermann aber verkrocht sich eiligst ins Wasser.
Der Müller hatte schon längst diese Begebenheit vergessen, als er im nächsten Jahre an einem Marienfeste plötzlich rufen hörte: „Lieber Müller, hast du noch immer die abscheuliche Katze da? Zwischen den Balken erblickte er den Wassermann. „Das versteht sich“ antwortete er sogleich, "und ich habe noch vier Junge von ihr, die noch neunmal schlimmer sind, als die Alte.“ „So bleib in Gottes Namen“, sagte das Wassermännchen, verschwand und wurde nie mehr in der Mühle gesehen.

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