Die Riesen und der Dubringer Berg
Auf einem Hügel bei Oßling wohnte in alten Zeiten ein Riese. Der hatte eine einzige Tochter. Als sie noch klein war, spielte sie, wie es Kinder gern tun, mit Sand und Steinen.
Doch solchem Spiel entwuchs sie bald, denn sie wurde groß und stark wie der Vater. Einst kam ihr in den Sinn, gegenüber dem väterlichen Hügel einen neuen aufzutürmen.
Sie ging sogleich an die Arbeit. Frühmorgens, bevor der Vater erwachte, band sie sich eine Schürze um und raffte diese voll Sand. Dann lief sie etwa eine Viertelstunde nach Osten und schüttete den Sand aus.
So machte sie es einige Male. Da war der Dubringer Berg entstanden.
Beim letzten Mal geriet ein seltsames Zappelding, das ein anderes, größeres vor sich hertrieb, mit in die Schürze. Das war ein pflügender Bauer mit seinem Pferd.
Die Riesentochter spielte ein wenig mit dem merkwürdigen Wesen. Aber dieses stach die Riesin so empfindlich mit dem Stock, dass sie es ärgerlich zerdrückte und ihrem Vater zeigte. Der wandte sich traurig zur Seite und sagte: „Nie hätte ich bei deiner Geburt gedacht, dass du mir so großes Unglück bringen wirst.
Wegen solcher kleinen Würmchen – Menschen heißen sie - hat schon mancher von uns sein Leben eingebüßt oder das Land verlassen müssen. Wir wollen uns nicht mit ihnen messen; es wäre vergebens. Komm, Tochter, lass uns ein anderes Land suchen, wo wir in Frieden leben können!“
Seitdem wurde bei uns nichts mehr von den Riesen gehört.
Quelle: Hoyerswerda, Geschichte und Geschichten aus Dörfern und Städten, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1992
Zurück