Pumphut, der sorbische Eulenspiegel
Martin Pumphut, so erzählt man, wurde in Spohla als Kind armer Fronbauern geboren.
Als Martin ein kräftiger Bursche geworden war, kam er in die Spohlaer Obermühle in die Lehre. Hier lernte er neben dem Müllerhandwerk wohl auch viele Zaubereien, denn die Leute glaubten, dass die Müller zaubern könnten.
Als er ausgelernt hatte, ging er nach der Art aller Handwerksgesellen jener Zeit auf Wanderschaft.
Sein besonderer Stolz war ein hoher, spitz zulaufender Hut mit breiter Krempe, der ihn überall bekannt machte und ihm den Namen Pumphut einbrachte.
So wanderte nun Martin die Bäche und Flüsse entlang von Mühle zu Mühle und fragte nach Arbeit oder Wegzehrung. Wurde er abgewiesen, pflegte sich Pumphut mit Zaubereien zu rächen, von denen die Müller viel Schaden hatten.
Einst kam Pumphut zu einer Mühle, wo Meister, Gesellen und Handwerker gerade dabei waren, eine neue Welle in das Mühlenrad einzusetzen. Pumphut sah ihnen eine Weile zu und bat um eine Gabe.
Aber der Müller ärgerte sich mächtig, dass der wandernde Knappe untätig zusah, und er wies ihn grob ab.
Als die Werkleute dann die Welle eingesetzt hatten, zeigte sich, dass sie um eine ganze Elle zu kurz war. Das konnten sie sich nicht erklären, hatten sie doch vorher alles sorgfältig ausgemessen und berechnet. Schließlich kam einer auf den Gedanken, der fremde Müllergeselle könnte Pumphut gewesen sein. Der Meister lief eilends hinter ihm her und holte ihn auch glücklich ein. Pumphut ließ sich herbei, noch einmal zurückzukommen.
Zuerst musste ihn die Meisterin tüchtig mit Speise und Trank bewirten. Dann bat ihn der Meister, doch einmal nach der Welle zu sehen. Pumphut befahl vier Männern, an einer Seite der Welle kräftig zu ziehen. Er selbst zog allein an der anderen Seite. Und siehe da, die Welle dehnte sich, bis sie wieder die richtige Länge hatte. Nun gab ihm der Müller auch gern ein reichliches Zehrgeld.
So hat Pumphut mit vielen lustigen Streichen Geiz, Neid und Undank bei seinen Mitmenschen bestraft.
(Die Sage vom Pumphut ist zu finden in „Der Kienpeter“, Domowina-Verlag, Bautzen 1967)
Zurück