Markttradition

Im Jahre 1349 führten der deutsche Kaiser Karl IV. und der Markgraf von Brandenburg Ludwig der Baier einen erbitterten Krieg um die Lausitz. Bei diesen Kampfhandlungen wurde Wittichenau völlig zerstört.

Im Frieden zu Bautzen entsagte Ludwig der Baier seinen erhobenen Ansprüchen an die Lausitz. Um der zerstörten Stadt Wittichenau wieder aufzuhelfen, verlieh Kaiser Karl IV. auf Bitten der Äbtissin Ottilia von Marienstern Wittichenau das Recht, montags einen Wochenmarkt abzuhalten.

Die kaiserliche Urkunde, ausgefertigt im Schlosse zu Spremberg, legte fest: „daß am zweiten Tag der Woche Wochenmärkte nicht abgehalten werden dürfen, in Bautzen, Görlitz, Lauban, Löbau und Kamenz...“ Diese Festlegung sollte verhindern, dass der Montagsmarkt in Wittichenau durch Konkurrenzdruck beeinträchtigt wurde. Noch vor dem zweiten Weltkrieg war Wittichenau weithin bekannt als Stadt der Oberlausitzer Viehhandelsmärkte.

Es gab Markttage, an denen 140 Pferde, 400 Rinder und 270 Schweine angeboten wurden. Auch die Nebenstraßen wurden in dieses Treiben einbezogen, es existieren heute noch vereinzelt Häuser mit Eisenringen, an denen man die Tiere befestigen konnte. Im Jahre 1932 zum Beispiel gab es folgende Kram-, Pferde-, Rindvieh- und Schweinemärkte: 21.03. Ostermarkt, 17.05. Pfingstmarkt, 01.08. Augustmarkt, 10.10. Kirmesmarkt, 12.12. Weihnachtsmarkt sowie diverse  Monatsmärkte (Pferde-, Rindvieh- und Schweinemärkte).

Bis in die sechziger Jahre fanden noch regelmäßig mehrere Jahrmärkte im Jahr statt; angesichts des fehlenden Warenangebots und administrativer Einschränkungen war jedoch das Ende vorprogrammiert. Die vielen Marktbuden vergammelten oder wurden an andere Interessenten verkauft.

Auszug aus Wittichenauer Wochenblatt, Juni 1990

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