Rathaus WittichenauWann das erste Rathaus in Wittichenau erbaut wurde, ist nicht nachweisbar; der erste  Rathausbrand wurde   1654 vermeldet. Das Rathaus stand zu dieser Zeit mitten auf dem Markt.

Am 15. April 1780 blieb nach einem Stadtbrand vom Rathaus mit Turmglocke und Uhr nur noch der untere massive Teil stehen. Es befand sich zu dieser Zeit auf dem Marktplatz in der Nähe der jetzigen Apotheke.
Die Bewohner waren durch Krieg, Brände und andere Unglücksfälle verarmt und hatten kein Geld zum Wiederaufbau. Das Amtsbüro wurde also bei dem jeweiligen Bürgermeister eingerichtet. Die Abtragung der Rathausruine erfolgte 1823 nach dem letzten großen Stadtbrand.

Bei dem zuletzt genannten Stadtbrand wurde auch das Wohnhaus Marktecke / Bautzener Straße vollständig eingeäschert - der Standort des heutigen Rathauses.

1865 verkaufte der damalige Besitzer Rosshändler Wels den größten Teil des Hausgrundstückes für 1900 Taler an den Braumeister Kowark, Pächter der Wittichenauer Kornbrauerei. Die große massive Scheune an der Sorauer Straße (heutige Geschwister-Scholl-Straße) mit Hinterland behielt er für sich.

Durch Aufbau eines Stockwerkes ließ Wels die Scheune für eigenen Bedarf als Wohnhaus Sorauer Straße Nr. 1 umwandeln. Kowark verkaufte wiederum sein von Wels erworbenes Haus zu gleichem Preise an die Stadt Wittichenau.

Durch den Umbau entstand das Rathaus auf dem heutigen Platz. Das Eingangstor am Hause des Bäckermeisters Zomack wurde zugemauert, dafür eine Tür an der Marktseite ausgebrochen. Zur Verschönerung des Gebäudes erbaute der Baumeister Waury unentgeltlich an der Eingangstür ein kleines Häuschen (Veranda).

Gar mancher Witz wurde über das „Stelldichein“ für Liebende gemacht. Das „angeklebte Schilderhäuschen“, wie es der Beigeordnete Kobalz scherzweise in einer Sitzung nannte, löste sich später vom Rathause ab und wurde schließlich ganz entfernt. Der Umbau soll der Stadt 500 Taler gekostet haben.

1866, vor Beginn des Krieges, wurde vom 3.-18. Juni Wittichenau und die umliegenden Dörfer zum Grenzschutz mit preußischen Truppen stark belegt. Auf Anordnung des einquartierten General v. Bose diente an diesen Tagen das Rathaus als Wachlokal. Täglich marschierten die „Brandenburger“ bis zur sächsischen Grenze, kehrten abends wieder in die Standquartiere ein. Fast jeden Abend gab es vor dem Rathaus militärische Platzmusik. 1893 brannten Stallung und Schuppen ab. An dieser Stelle baute man an der Sorauer Straße einen neuen Seitenflügel an.

Im oberen Stockwerk, neben der Kämmereikasse, wurde vom 1. Oktober 1894 bis Ostern 1900 die neugegründete Schulklasse (7.) untergebracht. Das Erdgeschoss erhielt der Ratskellerwirt zu Wohnzwecken überwiesen.

Die Bemühungen des Bürgermeisters Schlossarek, das Rathaus mit einem Uhrturm zu schmücken, blieben erfolglos. Es fanden sich dafür keine freiwilligen Spender. Ein Wittichenauer, der Deutsch-Amerikaner Baumeister Hülle, stiftete das Stadtwappen an der Giebelseite. Im neuen Rathaus führten während des 66jährigen Bestehens das Stadtregiment die Bürgermeister Nowotne, Heidrich, Wels, Schlossarek, Prause, Buchmann, Dr. jur. Schmidts und Langner.

1910 war für die Kleinstadt Wittichenau ein bürgermeisterreiches Jahr. Zwei Bürgermeister waren im Ruhestand, der dritte legte krankheitshalber sein Amt nieder, den Vierten suchten sie durch Ausschreibung.

Ratskellerwirte waren in diesem Zeitraume Tscheußner,  Gendarmerie-Wachtmeister a. D., Paul Wadack, Bürstenfabrikant, Heinrich Domanja, Fleischermeister, Theodor Brauner, Kürschnermeister, Theodor Domanja, Kürschnermeister, Franz Wels, Inhaber eines Rechtsbüros und Paul Popella, Uhrmacher.

Die jährliche Pacht der Ratskellerwirtschaft betrug ursprünglich 80 Taler, danach 1500 Reichsmark. 1933 verjagten SA-Leute auf erbärmliche Weise Bürgermeister Langner aus seinem Amt. Es folgten von den Nazis eingesetzt die Bürgermeister Matzker, Kroll und ab 1941 als amtierender Bürgermeister Theodor Stephan.

1940 brannte das Rathaus wiederum aus Leichtsinn beim Umgang mit Asche ab. Obwohl in der Kriegszeit kaum noch zivile Gebäude errichtet werden durften, kam es doch noch zum Bau des heutigen Gebäudes. Nach dem Krieg folgten:

1945/46 Bernhard Blachowsky
1946 Herrmann Bulang
1946/50 Otto Stephan
1950/53 Max Tschonz
1953 Erich Richter komm.
1953/55 Willi Bader
1955/89 Manfred Koden
1989 Bärbel Marciniak
1989/90 Karla Reichelt amt.
1990/1994 Peter Schowtka - erste freie Kommunalwahlen
1994 - heute Udo Popella

In den Jahren nach dem politischen Umbruch wurde die Marktansicht durch die Sanierung der Gebäude immer schöner. Da konnten die Rathausherren natürlich den Bürgern der Stadt in nichts nachstehen. 1996 begann man das Rathaus um eine Etage aufzustocken und seitdem schmücken eine Glaskuppel und ein Glockenspiel unser Rathaus.