Pfarrkirche WittichenauAus der Chronik: Die völlige Durchdringung des wendischen Volkes mit christlichem Glaubensgut und christlicher Glaubenshaltung gelang erst dem Bischof Benno von Meißen († 16.6.1106 im Alter von 94 Jahren) durch seine rastlosen Missionsreisen bis in den letzten Flecken seines Bistums und seine apostolischen Predigten in der Muttersprache.
Dankschuldige Verehrung dieses Apostels der Wenden künden in der Pfarrkirche ein altes Ölgemälde beim Treppenaufgang zur Orgel „Benno predigt den heidnischen Wenden“ sowie eine Holzskulptur auf dem Hochaltar.
Aus dieser Zeit gefestigten Christentums scheinen die Steinkreuze an der Kreuzkirche, an der Schwarzen Brücke und an der Sollschwitzer Kapelle zu stammen, die auch als Zeichen einer Gerichtsstätte oder eines Unglücksereignisses gedeutet werden. Die heutige amtliche Bezeichnung unseres Heimatortes erscheint zum ersten Mal im 13. Jahrhundert in der Chronik von Marienstern, der zufolge die gräfliche Familie von Kamenz dieses Kloster zuerst auf ihrem Erzbesitztum Witegenowe zu errichten plante.

Späterhin heißt unser Kirchenort laut pfarrlicher Matrikelbücher Witgenaw, Wittgenaw, Wittgenavia, Wittgenau, Wittchenaw, Wittigenau und schließlich Wittichenau. Der Name wird von dem Meißner Bischof Wittego († 1293) hergeleitet, der diesen Ort nach einer alles vernichtenden Feuersbrunst in der hier bis um 1800 üblichen Bauweise des Lehmfachwerkes und Schindeldaches wieder neu aufbauen ließ. Auch die damals wiedererrichtete Kirche war ein Fachwerkbau; nur Turm und Sakristei waren massiv aufgeführt worden.

1429 wurde die Stadt und mit ihr auch die Kirche bis auf ihre massiven Teile von den grausam wütenden und sengenden Hussiten zerstört, bis 1440 erwuchs das neue Gotteshaus im gotischen Stil, der stehengebliebene Turm mit seinen 2m starken Grundmauern und die kellerartige Sakristei wurden in den Bau mit einbezogen lt. dem Wittichenauer Schriftsteller Jakob Ticin (1656-1693) wurde der Bau einzig und allein aus den Beiträgen der Eingepfarrten und Umwohner ausgeführt

1460 erwies sich die Kirche als zu klein, es erfolgte an der Westwand des Mittelschiffs der Einbau des „Ältesten“ – und des darüber befindlichen schmalen Orgelchores mit hölzerner Zugangstreppe im Innern.

1520 erhielt die Kirche am Pfeiler der heutigen Taufkapelle den ersten konsekrierten Seitenaltar, später Rosenkranzaltar genannt. Ihm folgten der Sebastian-, Nikolaus- und Barbaraaltar

1527 das Gotteshaus wurde meist auf Kosten der Jungfrau Bohatez zur jetzigen Größe erweitert und mit den schönen Stern- und Netzgewölben und der vereinigten Dachkonstruktion abgeschlossen.

1583/93 zur Behebung des erneut entstandenen Platzmangels wurde das 24 m lange Kottener Chor an der Südseite und 1593 der 15 m lange Dörgenhausener Chor an der Nordseite mit je einer hölzernen Aufgangstreppe im Inneren errichtet

1614 wurden die massiv gewölbten, noch vorhandenen Seitenchöre an der Westseite mit steinernen seitlichen Treppenaufgängen im Innern der Kirche, sowie mit ihnen in gleicher Höhe ein hölzerner Orgel Chor erbaut

1654 wurde fast die ganze Stadt und das benachbarte Dorf Keula durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt, auch der obere Teil des Kirchturms mit den wertvollen Glocken wurde ein Opfer der Flammen

1665 wurde der Turmhelm in seiner alten Form wieder aufgebaut

1678 Kinderhalle wurde aufgestockt und wegen der schlechten Sakristeiverhältnisse die notwendige Paramentenkammer eingerichtet

1693 Einbau des Keulaer Chores über dem Dörgenhausener Chor

1723 Entstehung des heutigen Hochaltares

1823 zerstörte der letzte große Stadtbrand das Dach der Pfarrkirche und den schönen Zwiebelturmhelm mit dem Geläut

1824 Kirchendach und Dachtürmchen wurden wiederhergestellt

1846 erfolgte der Auf- und Ausbau des Turmes mit vier massiven Innenpfeilern, steinerner Treppe, Uhranlage, Glockenstuhl und neugotischer Bekrönung

1859 Anlage der massiven nach außen verlegten Kottener Chortreppe und des Vorbaus an der ehemalige Pfarrtür

1863 Errichtung der äußeren massiven Treppe zum Dörgenhausener Chor, Verlängerung um 9 m ostwärts des Dörgenhauseners Chores, Vorbau an der früheren Kaplantür

1865 Aufstockung des heutigen Bälgehauses über der großen Halle

1867 Erweiterung des Turmhelmes und Beseitigung der Galerien

1904 Anbau der neuen Sakristei

1906 Anbau der Taufkapelle

1931 wurde Pfarrer Krahl mit der Inangriffnahme zur Renovation beauftragt

1932 wurden die geplanten Stätten zur Abhaltung des Gottesdienstes während der Umbauzeit erneuert bzw. verbessert, das betraf die Kreuzkirche, die Stiftsschule und den Sportplatz

1933-35 Große Gesamtrenovation

1933 Die Kirche wurde restlos bis auf den Hochaltaraufbau geräumt, der ganze Fußbodenbelag aufgenommen, die Grüfte einschließlich des Krabatgrabes wegen Einsturzgefahr geöffnet, die neue Sakristei für die Heizung bis zu 3,20 m Tiefe ausgeschachtet, der Heizkeller mit den in das Kircheninnere führenden Kanälen angelegt, die ausgeschachtete Erde zur Höherlegung des Kirchenfußbodens verwendet; eine Arbeitskolonne brach an der Nordseite die alte Sakristei mit dem Treppenaufgang ab, legte zwei Außenpfeiler an, ergänzte den fehlenden halben Innenpfeiler und baute die neue zurückgesetzte Verbindungswand mit dem neuen Unter- und Oberfenster.

Juli 1933 wurden die Bauarbeiten an der Stadtpfarrkirche durch den damaligen preußischen Innenminister verboten .

Sept. 1933 Es wurden ein weiteres nördliches Unterfenster ausgebrochen, der südliche Vorbau mit Emporenaufgang beseitigt, der Pfarrtüreingang zum Unterfenster umgewandelt, die äußere Fassade der Taufkapelle dem Hauptbau angeglichen, die Eingänge verbreitert, die Haupt- und Kinderhalle umgestaltet, die Innenwand der Taufkapelle geöffnet, die westlichen Emporenaufgänge verbessert, die Fundamente für die drei feststehenden Altäre angelegt, die Oberfenster entsprechend auf gleiche Unterkante gebracht, die Nordhalle gebaut, die Kirche außen geputzt, das Dach repariert, kupferne Dachrinnen angebracht, ferner die Emporen in Eisenbeton eingebaut, das Kirchengewölbe restauriert und die Malerarbeiten ausgeführt. Ebenso folgten die Fliesen-, Dielungs-, Glaser-, Tischler- und andere Innenarbeiten

1934 Arbeiten an den großen Kunstfenstern, den Seitenaltären, der weiteren Innendekoration und den Anlagen um die Kirche.