Jakubetzstift WittichenauNeben der Kreuzkirche steht das Jakubetz-Stift. Sein Stifter war der Bautzener Domsenior Johann Augustin Jakubetz. Er war Sohn des Bäckermeisters Johann Jakubetz und dessen Frau Magdalena geb. Brückner, beide aus Wittichenau.
Sie verzogen nach Ebendörfel bei Bautzen, wo Johann Augustin am 5. Oktober 1700 geboren wurde. Bald nach seiner Geburt kehrte die Familie Jakubetz in ihre Heimat Wittichenau zurück. Nach angemessener Vorbildung studierte der junge Jakubetz in Prag Theologie und wurde nach empfangener Priesterweihe in Bautzen Kaplan.

Sie verzogen nach Ebendörfel bei Bautzen, wo Johann Augustin am 5. Oktober 1700 geboren wurde. Bald nach seiner Geburt kehrte die Familie Jakubetz in ihre Heimat Wittichenau zurück. Nach angenessener Vorbildung studierte der junge Jakubetz in Prag Theologie und wurde nach empfangener Priesterweihe in Bautzen Kaplan.

In dieser Zeit hatte er folgendes Erlebnis: Zu ihm kam ein wandernder Handwerksbursche, der ihn um ein Almosen und ein paar Beinkleider bat. Er erhielt beides. Nachmittags nach einem Spaziergang kehrte Jakubetz zu einem Glas Bier in einer kleinen Restauration ein.
Plötzlich kam jener Handwerksbursche, angetrunken, in das Gastzimmer und bot der Wirtin mit folgenden Worten die erbettelten Beinkleider an:
„Frau Wirtin, wollen sie mir nicht diese Hose abkaufen? So ein ....Pfaffe hat sie mir heute vormittags geschenkt!“

Jakubetz, in einer Ecke der Stube allein an einem Tische sitzend, erschrak über die Rohheit und Undankbarkeit dieses Menschen und fasste den Entschluss, keinem Bettler mehr ein Almosen zu geben, sondern sein Geld für eine große Armenstiftung aufzusparen. Auch seinen Verwandten machte er keine Zuwendungen.

Um das notwendige Fundationskapital zusammenzubringen, lebte er äußerst sparsam und soll sogar in seinen Mußestunden Vogelbauer gearbeitet haben und sie zu Gunsten seiner geplanten Armenstiftung auf dem Bautzener Fleischmarkt haben verkaufen lassen.

Kanonikus Jakubetz starb 1778 als Domsenior in Bautzen. In seinem Testament vom 3.6.1763 errichtete er eine nach seinem Tod in seiner Heimatstadt Wittichenau zu verwirklichende Hospitalstiftung. Ihr Stiftungszweck ist laut § 7,9 des Testamentes „die Vorbereitung alter Leute zum glückseligen Tode“ in einem Hospitalhaus: „für einen katholischen Priester und sechs arme alte Bürger“ nebst Köchin.

Nach der Bestimmung des Testamentes wurde nun in den Jahren 1780/81 das Hospitalgebäude für 5300 Taler errichtet. Der Baugrund des Gebäudes ist ein zugeschütteter Festungsgraben, weshalb auch der eingebaute Keller stets vom Grundwasser heimgesucht wurde.
Am 22.1.1782 wurde das Gebäude durch Bischof Schüller von Ehrenthal zu Ehren aller Heiligen geweiht. Der erste Stiftsgeistliche war Martin Sauer aus Hoske, bisher Cooperator in Wittichenau († 1791); die ersten sechs Hospitaliten waren: Karl Jakubetz, Martin Lulak, Peter Haschke, Josef Lazarus, Karl Bell und Witwe Maria Richter.

Die Hospitalten hatten Kost, Wäsche, Licht, Feuerung und Kleidung frei, mussten aber beim Eintritt 20 Taler in die Stiftskasse zahlen. Den Hospitaliten aber gefiel das einsame und klösterliche Leben im Jakubetz`schen Stift nicht. Sie verlangten 1787, bei ihren Familien bleiben zu dürfen und aus den Zinsen des Kapitals eine jährliche Rente oder Pension in Bargeld zu beziehen.
Diesen Wünschen entsprach der Bautzener Domdekan Johann Josef von Ehrenthal und überließ das Gebäude der Jakubetz`schen Schulstiftung zur einstweiligen Benutzung.

Der Breslauer Kardinal und Fürstbischof Melchior von Diepenbrock erweiterte 1850 die Stiftsstatuten dahin, dass sechs würdige Arme jährlich 30 Taler, 12 Arme jährlich 20 Taler und vollständige Kleidung erhalten, und endlich noch 14 Arme mit jährlichen Unterstützungen von 15, 10 und 5 Talern beteiligt werden.
Das Recht, Hospitaliten in das Armenstift aufzunehmen, übertrug der Fundator dem Stiftsgeistlichen und dem Wittichenauer Stadtrat; letzterer revidierte auch die Stiftsrechnungen.
Das Oberaufsichtsrecht über das ganze Institut übt nach dem Willen des Testators der Diözesan-Ordinarius oder Bischof aus, welcher die Vollmacht besitzt, die Statuten nach den Zeitumständen abzuändern, zu vermehren, zu vermindern oder die ganze Fundation aufzuheben.

Bis 1833 hatte der Bautzener Domdekan die oberste Aufsicht über das Armenhospital und die Verwaltung der Fundationskapitalien; vom genannten Jahr ab ging die Inspektion auf den Breslauer Fürstbischof über.
Die Unterstützungen aus der Jakubetz`schen Hospitalstiftung wurden bis zur katastrophalen Inflation gezahlt. 1788 wurde die Georg - Leopold - Jakubetzsche - Schulstiftung gegründet.

Der Auszug des Hospitals aus dem Jakubetzschen Stiftsgebäude gab den Ausschlag, eine Normalschule in Wittichenau zu errichten. Das Stift wurde nun Schule mit gymnasialem Charakter für katholische Schüler (nur Jungen) der ganzen Oberlausitz sowie bis 1827 auch Lehrerbildungsanstalt.

Mehrere aus Wittichenau gebürtige Geistliche hatten bereits Gelder zu ihrer Schulstiftung zusammengelegt, die da waren:
• Georg Leopold Jakubetz (Pfarrer in Karlsbrunn/Österreich; †1727)
• Jakob Anton Kilian (Domsenior in Bautzen; †1759)
• Jakob Anton Metzner (Kanonikus in Bautzen; †1775)

Feierliche Eröffnung der neuen Schule am 5. Oktober d. J. mit 200 Schulkindern. Die ersten Lehrer waren:
• Jakob Nartschick (starb 1832 als Pfarrer von Ralbitz)
• Johann Domaschka (starb 1824 als Pfarrer von Crostwitz).

Der erste Schuldirektor war der Stiftsgeistliche Martin Sauer aus Hoske. Ihm folgten die Weltpriester Narzig und Piazza. Am 1.Juli 1802 wurde Peter Donath, der bereits lange Jahre den Institut als Lehrer treue Dienste geleistet hatte, zum Direktor ernannt. Er starb 1843.
Das Schulkapital betrug im ganzen 30000 Taler; davon gingen im Jahre 1833 - 18000 Taler für Wittichenau an den Breslauer fürstbischöflichen Stuhl über; 12000 Taler aber verblieben bei dem Bautzener Domstift als Abfindung dafür, dass die Normalschule in Wittichenau nicht für diese Stadt allein, sondern für die ganze Oberlausitz gegründet worden war.

Der letzte Stiftsdirektor und gleichzeitige Verwalter des Jakubetzschen Stifts war der Geistliche und Künstler (Maler) Heinrich Ledschbor, welcher am 2.09.1884 im Alter von 73 Jahren verstarb. Auf seinem Grab auf dem Friedhof von Wittichenau steht heute das Denkmal des Apostel Paulus.

Das Hospitalstiftsgebäude wurde bis 1928 als Stiftsschulgebäude gebraucht. Es geriet in immer schlechteren Bauzustand. Nach langwierigen Verhandlungen wurde 1931 von der bischöflichen Behörde die Renovation des Stiftsgebäudes angeordnet, das Haus an die Pfarrgemeinde zu Vereins- und Exerzitienzwecken, zu Einkehrtagen und dergleichen vermietet und die Erträgnisse der Hospitalstiftung auf das Altersheim St. Adalbertstiftes übertragen.

Die Umgestaltung und Erneuerung wurde 1931/33 durchgeführt. 1933 Abtrennung der Wittichenauer Pfarrei vom Bautzener Domstift und Teilung des Stiftskapitales, da jetzt das Schülerpotential der Sächsischen Oberlausitz fehlte. Die Schule beherbergte zunehmend nur noch Wittichenauer Schüler der älteren Jahrgänge, während die jüngeren in der Stadtschule unterkamen.
So wird aus dem Haus nach seiner Wiederherstellung und seiner neuen Verwendung, dem Sinne des Stifters entsprechend, reicher Segen auch für die Zukunft ausgehen.

Quelle: „Die Katholische Pfarrkirche in Wittichenau“ Herausgeber: katholischer Kirchenvorstand Wittichenau