Alter Bahnhof Wittichenau1898 gründete sich eine Interessenvertretung mit dem Ziel, eine elektrisch betriebene Kleinbahn Königswartha-Hoyerswerda-Spremberg zu bekommen.
Mitglieder der Vereinigung waren sowohl Vertreter der Orte Bautzen, Hoyerswerda, Königswartha, Wittichenau und Spremberg als auch Besitzer von Ziegeleien, Glas- und Kohlewerken aus Lauchhammer, Skaska, Dörgenhausen, Scheckthal und Bröthen.

15.02.1899: preußischer Erlass für allgemeine Vorarbeiten zu einer Nebenbahn über Hoyerswerda und Wittichenau in Richtung Königswartha
• Hoyerswerda und Wittichenau stellen das Bauland für den Bahnbau unentgeltlich zur Verfügung
• Baukapital des preußischen Teils (ohne Grunderwerb) war mit 1,656 Mio. Mark angesetzt worden

Herbst 1905: Der Landmesser Fideler begann mit der Absteckung des preußischen Streckenteiles - Ende September war die Grundrissaufnahme beendet

Dezember 1906: aus dem Erläuterungsbericht zum Bahnbau: "Für Wittichenau, einer Stadt von 2000 Einwohnern mit größeren Vieh- und Krammärkten und lebhafterem Verkehr auch in der 2. Wagenklasse muss das Empfangsgebäude doch etwas umfangreicher werden.
Hier sind jedenfalls getrennte Warteräume II. und III./IV. Klasse und 1 Dienstwohnung für den Bahnhofsaufseher vorzusehen. ..."
In Wittichenau installierte man ein dreiteiliges Kurbelwerk im Empfangsgebäude zur Bedienung der Einfahrweichen. Betriebszeit und Stilllegung

10.10.1908: Eröffnung der Eisenbahnlinie Bautzen-Petershain (Cottbus)
• Die Westlausitzer Zeitung schrieb: "In Wittichenau bei Hoyerswerda herrscht große Freude über die Eröffnung des Betriebes ... In Wittichenau wohnt eine große Anzahl von Viehhändlern, die ihr Vieh aus weiter Ferne, sogar vom Ausland, beziehen.
Den ersten auf der neuen Bahn eingetroffenen Transport Kühe ließ der Besitzer in feierlicher Weise vom Bahnhof abholen und durch mehrere Hauptstraßen der Stadt zu den Ställen befördern. Voran schritt eine Musikkapelle, dahinter die mit Kränzen geschmückten Kühe, von Treibern in Zylinderhüten geführt, zum Schluss im Wagen der Besitzer."

November 1909: ein Herbststurm hatte die bahnseitige Dachhälfte des Güterschuppens 20 m weit fortgetragen

26.11.1922: ein Schreiben führt folgende Mängel auf: "In der Dienstwohnung des Stationsvorstehers Schulz dringt die Feuchtigkeit durch die Decken infolge schadhafter Stellen am Dach.
Durch die anhaltende Feuchtigkeit wird speziell im Schlafzimmer eine stockige, modrige Temperatur erzeugt, welche direkt gesundheitsschädlich auf den Menschen wirkt. Auch bringt die dauernde Feuchtigkeit ein Verstocken der Möbel und Betten mit sich.
Bei regnerischem Wetter zeigt sich das blanke Wasser an Wand und Decke, man hört sogar das Eindringen (Tropfen) der Niederschläge. ..."

1960: der Personenverkehr wurde stillgelegt

26.05.1968 Die Bahn-Linie wurde ab Königswartha stillgelegt. Laut Kursbuchausdruck sollte bereits am 31.12.1967 der letzte Personenzug nach Hoyerswerda verkehren, was aber aus politischen Gründen nicht umgesetzt wurde.

07.07.1973: Der Abschnitt Wittichenau - Hoyerswerda wurde im Güterverkehr mit dem bedeutendsten Güterkunden, dem Steinbruch Dubring, eingestellt.

Dezember 1973: Beginn des Gleisrückbaus in Wittichenau.
• Stilllegung der Strecke Wittichenau-Hoyerswerda. • Es blieben nur Ausziehgleise in Königswartha und Hoyerswerda übrig. Alle stählernen Brückenüberbauten wurden entfernt und die Trasse zum Teil für landwirtschaftliche Zwecke eingeebnet. Die markanten Bahnhofsgebäude zwischen Königswartha und Hoyerswerda sind jedoch bis heute erhalten geblieben.

22.10.1992: Durch eine umfassende Restauration wurde das Bahnhofsgebäude zum Vereinshaus und zur Gaststätte in den unteren Räumlichkeiten umgebaut
• Der heutige Saal wurde mit ca. 400.000 € aus dem angrenzenden Güterboden umgebaut

August 2003: Das historische Haus wurde vom Jugendverein "United Clubs for Kulow e.V." übernommen und von diesem seitdem zum Kult(ur)-Bahnhof entwickelt.
• Die Außenanlagen wurden zum heutigen Bild umgestaltet: Zwei Eisenbahnwaggons im hinteren Teil des Platzes werden als Begegnungsstätten genutzt und sollen an die Geschichte des einstigen Bahnhofs erinnern.

http://www.kulturbahnhof-wittichenau.de/start.html